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Flucht in die FreiheitMit allen Mitteln

"Freiheit ist das Wertvollste, was der Mensch besitzt", sagt Peter Strelzyk aus Pößneck in Thüringen, "aber das merken nur solche Leute, die mal in Unfreiheit gewesen sind." Mit einem selbstgebauten Heißluftballon planten die Familien Strelzyk und Wetzel ihre Flucht in die Freiheit, um im Westen ein neues Leben zu beginnen. Die Vorbereitungen dauerten Monate. Der erste Versuch misslang, zweihundert Meter vor dem Todesstreifen blieb der Ballon in den Bäumen hängen. Wenig später wurde er von Grenztruppen im Wald entdeckt. Von nun an war den Fluchtwilligen die DDR-Staatsicherheit auf der Spur. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann - Tag und Nacht nähten die Strelzyks und die Wetzels an einem neuen Ballon. Am 16. September 1979 wagten sie den zweiten Versuch. Doch der Ballon bekam ein Loch, dann setzte der Gasbrenner aus. Petra Wetzel erinnert sich: "Ich hab mein Testament gemacht – man glaubt gar nicht, wie ruhig man in dem Moment sein kann." Die Grenzsicherung entdeckte den Ballon und erbat Schießbefehl aus Berlin. Doch als der Schießbefehl eintraf, war der Ballon bereist im Westen. Die Flucht im selbst genähten Heißluft-ballon sorgte weltweit für Schlagzeilen. 1981 wurde sie von Hollywood verfilmt.

Um in die Freiheit zu gelangen, riskierten viele ihr Leben. Mit jeder geglückten Flucht wurden die Schlupflöcher in den DDR-Grenzanlagen beseitigt. Der Ausbau der Mauer wurde bis ins Wahnhafte perfektioniert. In den 70er Jahren setzte die DDR so genannte Selbstschussanlagen ein. 1980 plante Erich Honecker die "Mauer 2000": eine Hightech-Mauer mit Sensoren und Laserdetektoren, die jeden Fluchtversuch im Keim ersticken sollten. Den "imperialistischen Schutzwall" ließ sich die DDR einiges kosten: Rund eine Milliarde Ost-Mark flossen jährlich allein in die Instandhaltung der circa 1400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze.

Dennoch suchten immer wieder mutige Menschen nach neuen Wegen, das ausgeklügelte Grenzsystem der DDR zu überlisten. Seit dem Mauerbau bis Jahresende 1989 gelang über 40 000 DDR-Bürgern die Flucht in den Westen. Doch keine Statistik hat festgehalten, wie viele bereits bei den Vorbereitungen zur Flucht geschnappt wurden. Jahr für Jahr füllten sich die Haftanstalten der DDR immer mehr mit Flucht-willigen. Der Film zeigt die emotionalen Höhen und Tiefen der Flucht mit allen Mitteln.

Die jungen Ostberliner Hobby-Surfer Karsten Klünder und Dirk Deckert ertrugen die Bevormundungen, Bespitzelungen und Gängeleien in der DDR nicht länger. Frei reisen, segeln und surfen – davon träumten sie. Heimlich besorgten sie sich aus dem Westen Konstruktionspläne so genannter Fun-Boards", Surfbretter, die auch bei starkem Sturm noch handelbar sind. Im November 1986, als die Herbststürme über das Land fegten, wagten sie das schier Unmögliche: eine Flucht 70 Kilometer quer über die Ostsee: von Rügen über Hiddensee nach Dänemark. Doch noch in der Brandung riss sich Dirk Deckert ein Loch in den Neoprenanzug. Die Überfahrt in eiskaltem Wasser ohne ausreichenden Schutz wäre Selbstmord gewesen. Er entschied umzudrehen, den Anzug wieder in Ordnung zu bringen und es am nächsten Tag erneut zu versuchen. Karsten Klünder gelang die riskante Flucht auf dem Surfbrett auf Anhieb. Mit dänischen Fischern suchte er nach seinem Freund und konnte ihn einen Tag später erschöpft aus dem Wasser ziehen.

Dreimal den Todesstreifen zu überwinden, das gelang sicher nur Wenigen. Die Brüder Ingo, Holger und Egbert Bethke sind das dreisteste Flucht-Trio der Mauer-Geschichte. 1975 paddelte Ingo Bethke in einer Nacht- und Nebelaktion mit einer Luftmatratze über die Elbe in die Freiheit. Acht Jahre später verhalf er seinem Bruder Holger in einer atemberaubenden Fluchtaktion mit einer selbstgebauten Seilbahnkonstruktion in den Westen. Im Mai 1989, nur wenige Monate vor dem Fall der Mauer, setzten die Bethke-Brüder ihrer Fluchtserie die Krone auf: Ingo und Holger holten ihren Bruder Egbert mit zwei Ultraleichtflugzeugen aus Ost-Berlin heraus. Ihre Flucht dokumentierten sie auf Video. "Vor lauter Freude und Erregung habe ich mich wirklich auf die Knie begeben und habe den Boden geküsst und habe gesagt "Gott sei Dank, es hat geklappt!", erinnert sich Egbert Betke an die Landung vor dem Berliner Reichstagsgebäude.

"Flucht in die Freiheit – Mit allen Mitteln" erzählt die packenden Geschichten der Frauen und Männer, die alles riskierten, um endlich frei zu sein. Ihnen gelang die Flucht aus der DDR. Doch rund 1300 Menschen hat die deutsch-deutsche Grenze in den 28 Jahren ihres Bestehens das Leben gekostet. Über 130 davon starben an der Berliner Mauer.

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